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Kreuzfahrers Reise-Erzählung

Alles gut? Alles gut!

Reisebreicht unserer Kreuzfahrt...

Die Kreuzfahrt startete in Palma de Mallorca, weiter ging es über Ajaccio auf Korsika, Civitavecchia, Rom und La Spezia, Monaco, La Seyne, Barcelona, Ibiza Stadt und zurück nach Palma de Mallorca.


Kartenwerk und Planungen

Während Freunde und Bekannte oft dem Urlaub freudig gespannt entgegen sehen, ist es bei uns eher eine angespannte Erwartung. Diese Tage zu planen und zu organisieren ist schon ein aufregendes Abenteuer. Wir sind ja nicht so ganz mobil und dynamisch und haben außer dem üblichen Gepäck noch Rollatoren und unsere Rollstühle mit dabei. Somit schließt sich auch schon einiges an Urlaubszielen aus, weil es logistisch eher schwierig umzusetzen ist, wie z.B. Bahnfahrten mit diversen Umstiegen, Rundreisen mit Hotelwechseln und Ähnlichem.

Die Planung unserer diesjährigen Kreuzfahrt selbst war aber schon ein wenig Urlaubsgefühl. Wir buchten bei unserem Reisebüro die Reise auf der „Mein Schiff 2“ des Veranstalters TUI. Das Reisebüro ist für uns ein Muss! Wir sind beide mit Rollstühlen unterwegs und benötigen eine behindertengerechte Kabine. Die lässt sich nur auf zwei Wegen buchen: Einmal über das Internet beim Veranstalter selbst mit dem Nachweis des Behindertenausweis oder aber über das Reisebüro. Dass wir das Reisebüro wählten hatte einen simplen Grund: Wir wollten Urlaub von Anfang an. So wurde für uns der gesamte Transfer nach Mallorca zu unserem Start- und Zielhafen der Reise direkt mitgebucht. Und alles lief wie gewünscht. Ab dem Moment, als wir unser Ticket in der Hand hielten, mussten wir uns um nichts mehr kümmern bis wir auf dem Schiff waren. Am Flughafen erwartete uns die Begleitung ins Flugzeug - in Mallorca wurden wir am Flieger abgeholt. Der Transfer zum Hafen war bestens vorbereitet und das Ankommen auf dem Schiff überhaupt kein Problem.


Los geht’s!

Im Oktober ging es also auf „große Fahrt“ mit der „Mein Schiff 2“. Wir eroberten das Mittelmeer und außer Abenteuerlust hatten wir eine große Portion Skepsis, einiges an Gepäck und natürlich unsere Rollstühle mit dabei. Und die sind nur das sichtbare Zeichen unserer Multiplen Sklerose; das Andere, die Müdigkeit, die Kraftlosigkeit, um nur zwei Punkte zu erwähnen, sieht man ja nicht auf den ersten Blick.

Nach dem unproblematischen Transfer auf unserem Schiff angekommen, nahmen wir die Kabine in Besitz. Der Flur des Schiffes war breit genug, um gut mit dem Rollie zu manövrieren und die geräumige Kabine bot uns - und unseren Hilfsmitteln - genug Platz. Unser erster Eindruck zu diesem Zeitpunkt war: „Barrierefreiheit“ hat man bei der Planung - was die Ausstattung der Kabine betrifft - ernst genommen. Um eine solche Kabine zu bekommen muss man sich allerdings rechtzeitig für eine solche Reise entscheiden. Es gibt nur wenige barrierefreie Kabinen und die sind naturgemäß schnell ausgebucht. Rechtzeitig buchen heißt in diesem Fall: Ein Jahr vorher sollte man sich schon entscheiden.


Rituale an Bord

Das Abenteuer begann nach dem Ablegen des Schiffes mit der Seenotrettungsübung, die Pflicht ist. Wir mussten natürlich auch daran teilnehmen und bekamen selbstverständlich alle notwendigen Informationen hierzu. Gut – im Notfall fahren die Aufzüge natürlich nicht - und wir nutzen einen Rollstuhl, der – sagen wir mal - suboptimal auf Treppen einsetzbar ist... aber egal, wir gehen nicht davon aus, dass etwas passieren wird. Die Übung spiegelte das Verhalten des Personals ganz gut wieder, dass sich stets bemühte, uns besonders behilflich zu sein. So z.B. auf der Gangway, wenn beim Verlassen und Betreten des Schiffes einige Stufen zu überwinden waren. Allerdings überraschte auch hier wieder das Schiff mit einer durchdachten Lösung: Da die Gangway unterhalb der Rezeptionsebene auf Deck 5, sondern zwei Decks tiefer war, war der Ausstieg nicht so steil und die wenigen Stufen – eigentlich nur eine - daher kein Problem. Das ist nicht bei jedem Schiff so. Beim Buchen sollte man auf solche Details achten.


Landausflüge

Die Landgänge wurden durch Informationsabende gut vorbereitet. Für Menschen mit Mobiltätseinschränkungen waren die Infos so präzise aufbereitet, dass wir sogar genau wussten, wie viele Meter bis zum nächsten Transportmittel zu überwinden waren oder ob zwischendurch Treppen bezwungen werden mussten. Die Stufen in den unterschiedlichen Bussen bei diversen Landausflügen stellten Dank der Hilfe der ständig verfügbaren Helfer eigentlich kein großes Hindernis dar. Das macht die Planung der Landgänge sehr einfach. Auf Lektorenvorträgen zu den einzelnen Häfen wurden wir umfassend über die örtlichen Gegebenheiten informiert. Somit stand der Eroberung der einzelnen Städte fast nichts mehr entgegen! Vorausgesetzt, in den Städten gibt es nicht nur jahrhundertealtes Kopfsteinpflaster...

Und dennoch war klar: Ganz ohne Unterstützung würde es nicht gehen. Und das hat uns verdeutlicht, dass, eine solche Reise nur mit Begleitperson zu bewerkstelligen ist, wenn man fest auf den Rollstuhl angewiesen ist.


Leben an Bord

An den Seetagen konnte man sich verwöhnen lassen und außer den üblichen Sportangeboten auch andere interessante Möglichkeiten nutzen. Die Shows abends und das Programm in den unterschiedlichen Bars oder am Pooldeck waren natürlich perfekt in Ausstattung und Ausführung und da hatten wir zumindest bei dem einen oder anderen Mal den Vorteil, dass wir unseren Sitzplatz quasi bereits dabei hatten…

Dieses Schiff bietet alles, was man sich so erträumt. Pools, Restaurants, Geschäfte, Frisör. Wir hatten nicht eine Minute Langeweile: Das Bord-Entertainment sorgte für Unterhaltung. Kulinarische Angebote, Wein- und Whiskeyproben, Bingo-Spiel, Auftritte von Künstlern, Lektorenvorträge, Malkurse, Vorträge zum Thema Ernährung, Poolpartys, Präsentationen… wir konnten gar nicht alles nutzen, was uns angeboten wurde. Wir haben an einer Lesung teilgenommen, Musicalsongs gelauscht, uns über gesunde Ernährung informiert, ein wenig in den Shops gestöbert und es genossen, auf unserem Balkon zu sitzen und den Blick übers Meer schweifen lassen! Wunderschön!

Den Yoga-Sonnengruß um 7.00 Uhr morgens musste ich leider ausfallen lassen - das war mir einfach zu früh.

Freundliche Helfer waren immer zugegen und beendeten in der Regel jede Unterstützung mit einem freundlichen „Alles gut?“ Niemand hat öfters „Alles gut?“ zu hören bekommen als wir! Selbst bei einem harmlosen Kaffee auf dem Außendeck wurden wir im Fünf-Minuten-Takt danach gefragt. Vielleicht weil es eben doch nicht wirklich viele Rollifahrer an Bord gibt. Von ca. 1900 Gästen gab es bei unserer Tour insgesamt fünf Rollstuhlnutzer. Somit hatten wir schon das Gefühl, in vielen Teilen eine „Sonderbehandlung“ zu bekommen.


Der Magenfahrplan

„Mein Schiff 2“ bietet glücklicherweise die Möglichkeit, alle Mahlzeiten in Restaurants mit Service zu genießen, so dass einem das „mit Rollstuhl und Teller bewaffnet“ am Buffet erspart bleibt. Selbstverständlich konnten wir alternativ jederzeit die Buffets nutzen. Speziell ausgewiesene Tische ersparen eine lange Platzsuche mit dem gefüllten Teller und sind stets in Nähe des Buffets. Die Verpflegung mit Vollpension war vielseitig, hatte echten Erlebniswert und war ausgesprochen lecker. Da geriet man schon mal in Versuchung, die eigene „Essbremse“ zu ignorieren… und anschließend geht Frau oder Mann zum Shoppen, um passende Kleidung für den anstehenden Landgang zu finden! Darüber hinaus finden sich in den verschiedenen Restaurants des Schiffes noch jede Menge kulinarischer Angebote, die man auch ausprobieren kann.


Der Wermutstropfen

Das Schiff ist leider bis auf das Pooldeck und das darüber liegende Deck mit hochfloorigen Teppichböden ausgelegt. Das sorgt zwar einerseits für eine ruhige Atmosphäre und schluckt die Geräusche der Gänge. Andererseits führte es dazu, dass wir „Oberarme wie Popeye“ haben, da es sehr anstrengend war, sich auf diesem Bodenbelag mit einem Rollstuhl zu bewegen. Auch das Gehen am Rollator wurde dadurch deutlich erschwert. Die meisten Türen ließen sich ganz gut öffnen, es gab allerdings auch einige, die sich gar nicht alleine öffnen ließen. Wir gehen aber davon aus, dass auf den neuen Schiffen der TUI-Flotte diese Problematik nicht mehr besteht.


Fazit

Insgesamt finden wir, dass eine Kreuzfahrt eine gute Möglichkeit ist, in kurzer Zeit viel zu sehen, ohne dauernd das Hotel zu wechseln. Ein gleichbleibend hoher Standard in Unterkunft und Verpflegung sowie die Sicherheit, dass bei einem Notfall jederzeit ein Arzt ansprechbar ist, schafft Vertrauen. Für diejenigen, die wenig Fremdsprachenkenntnisse haben, ist es gut zu wissen, dass die Bordsprache auf allen TUI Mein Schiff Kreuzfahrtschiffen Deutsch ist. Das ist übrigens nicht bei allen Schiffen so. Also - bei einer Buchung darauf achten.

Und so lautet unser Fazit am Ende der Kreuzfahrt: (Fast) Alles gut!

Gudrun Vogel

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